Ehrenamt von der Öffentlichkeit nicht beachtet?

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    • Ehrenamt von der Öffentlichkeit nicht beachtet?

      HI alle zusammen,

      dieses Thema eröffne ich aus einem relativ akutellen Grund: Mehrere Feuerwehrleute (FFW) sind am letzten Dienstagabend zum Teil sehr schwer bei einem Einsatz verletzt worden. Drei Einsatzkräfte ligen immer noch im Krankenhaus, die Öffentlichkeit hat Anteilnahme gezeigt (Plakat am Spritzenhaus und jetzt sogar die Bitte aus der Bevölkerung ein Spendenkonto einzurichten).
      Ich finde das echt super, zu mal wir ja nun auch immer wieder von Deppen, die Feuerwehren bei Einsätzen behindern oder gar beleidigen, lesen oder hören.

      An dieser Stelle: den hier im Forum befindlichen FFWler, Rotkreuzler und andere anspruchsvollen Ehremämtler ein Dank für ihre Arbeit. :thumbsup:


      Jetzt ist auch eure Meinung gefragt: wird diese Form des Ehrenamtes zu wenig gewürdigt?
    • Guten Tag,

      ich mache es mal kurz. Der Zeit habe ich mehrere Ehrenämter inne. Zum einen eins beim Wünschewagen (Der Wünschewagen – Letzte Wünsche wagen), zum anderen im Rettungsdienst des ASB Ruhr e.V. und bei der Freiwilligen Feuerwehr Essen, sowie als Gruppenleiter bei der ASJ Ruhr. Ich bin dort tätig und opfere dafür eigentlich den größten Teil meiner Freizeit, anstelle von einem Nebenjob oder Freizeit mit Freunden etc.. Auch meine Freundin bezieht Ehrenämter, weshalb das wenigstens super klappt.

      Allerdings nun zu deinem Thema. Gewürdigt? Nein. Ich meine, in meiner Rettungsdienst-Zeit wurde ich oft für mein Ehrenamt (ab Ende 2015) belächelt und man sagte mir oft: "Dumm, das du dafür kein Geld kriegst. Könntest doch damit was verdienen." Ebenso das bei der Feuerwehr. Oft muss ich mir auch anhören, dass ich "keine Hobbys" etc. habe und das soziale Leben nicht verstanden habe. Was die meisten nicht wissen, dass deine Kameraden in jedem Ehrenamt wie Brüder sind und genauso sozial Kontakt sind, wie nicht Ehrenamtler. Auch fragen sich viele, wie ich da noch Zeit für meine Freundin habe, richtig, die Zeit ist knapp, muss neben dem Hauptberuf intensiv genutzt werden und einige Ehrenämter finden uns ja. Oftmals bekommen wir stattdessen bei Fußballspielen, wo wir den freiwillige Sanitätsdienst machen, noch Flaschen etc. ab, werden mit Böllern beworfen. Besonders bei "RWE" (Rot Weiß Essen) spielen, kommt dies nicht selten vor, zwar sind da auch Hauptamtliche, aber eben die meisten Ehrenamtler die das ganze Vergnügen erst möglich machen und selbst (wie ich) gar kein Interesse an diesem Fußball hegen. Auch ein "Danke" habe ich in meiner Rettungsdienst-Zeit eigentlich nie gehört, höchstens 2x. Einmal nach einer geglückten Reanimation. Also nachdem die Patientin aus der Reha-Maßnahme war und ansonsten vielleicht mal zwischen durch.
      Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr sind wir sehr oft "Säufer". Das wars, nicht mehr und nicht weniger. Für die meisten nen recht schnelles Thema. Wenn wir dann kommen und zu helfen ist es unsere "Pflicht".
      Viel Dank bekommt man nicht. Viel geschätzt auch nicht, oftmals muss man sich dumme Sprüche anhören. Wird auch für die soziale Jugendarbeit belächelt. Zitat: "Das macht ihr nur um Nachwuchs zu bekommen, sonst würde das doch so keiner ohne Geld machen." -> Richtig! Das stimmt, wenn wir nicht früh die Notwendigkeit erklären, macht es keiner.

      Die Ehrenämter werden tatsächlich wenig geschätzt, aber ich sollte jetzt auch nicht allzu sehr in Selbstmitleid versinken, wenn man mir gerade mal die Möglichkeit dazu gibt.

      Man muss auch ganz klar sagen, dass uns viele Menschen respektieren, gerade die, die sich mal damit beschäftigen, dass das ganze weit über Freizeit hinausläuft. Es gibt viele die für uns Spenden. Die nach dem Kontakt mit uns, gerade beim Wünschewagen, einfach dankbar sind, dass es sowas gibt und uns dann auch versuchen zu unterstützen, wo es gerade geht.
      Wir werden zwar respektiert, aber eine Mehrheit der Personen sehen das nicht unbedingt so. Man sollte das Image ein wenig attraktiver machen, indem man vielleicht mehr Förderung für Ehrenamtler erhält, weil die tatsächlich teilweise viel mit sich machen lassen müssen. Gerade im RD & FF.

      Ich würde mich freuen, wenn ihr mir einfach Fragen stellt, falls ihr noch welche habt. Ich hätte das ganze auch gerne detaillierter beschrieben und nicht ganz so verallgemeinert, aber leider ist meine Zeit knapp.
      ~Mit freundlichen Grüßen~
      Tim
    • Zu dem Kommentar, den ich gefunden habe:
      Ich kenne alle FFWler, die an dem Tag im Einsatz waren persönlich, ich bin sogar familiär betroffen. Das Plakat: bisher ist noch unbekannt von wem es stammt.
      Die Geschichte das FWler allgemein "Säufer" sind hat einen historischen Hintergrund, den sich die meisten gar nicht vorstellen können, weil es ja heute die unterschiedlichen Schläuche zum Löschen gibt.
      Übrigens ohne die FFWler wäre die Mindestzeit, um am Einsatzort zu sein, von den Beruflichen gar nicht machbar. Auch dafür DAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAANKE! :D
      Ich finde die Werbung der Feuerwehren genial: Stell dir vor es brennt und keiner kommt!
      Bei uns fast unvorstellbar, in anderen Ländern knallharte Realität: Zahle für die Feuerwehr, dann löscht sie dein Haus, wenn es brennt, sonst nicht. Wären wir in D so weit würden einige freiwillig in die Feuerwehr eintreten, einfach um sich das Geld zusparen ;) :P .
      Wenn es ganz knall hart kommt, gibt es glaube ich die Möglichkeit, dass junge Männer zum Dienst in der FFW befohlen werden können, auch in D.
    • Für mich sind Ehrenämter in der Öffentlichkeit auch viel zu wenig hoch angesehen. Natürlich sollte man diese Tätigkeiten rein aus persönlichen Ansichten und Gründen vollziehen, sei es zum Wohle der Allgemeinheit, weil man einfach helfen möchte, weil es auch interessante Aufgaben sind, weil man etwas zurückgeben möchte was man bekommen hat, etc.

      Schade finde ich nur, dass viele Leute für unentgeltliche Sachen nichtmal darüber nachdenken, sich auch nur einen Finger zu krümmen. Für Vielbeschäftigte mag es manchmal schwierig sein, aber so viel Zeit hat man immer, dass man sie mal für die FFW etc opfern könnte.

      Von einer abnehmenden Mitgliederzahl kann man bei uns zum Glück noch nicht reden. Auch das Ansehen ist halbwegs in Ordnung, es sollte aber vielleicht auch ein paar kleine Vergünstigungen oder ähnliches als kleinen Anreiz geben. Bei uns gibt es etwas, womit man in manchen Schwimmbädern o.ä. teilweise freien Eintritt bekommt: Ehrenamtskarte
      Finde ich gar nicht mal so verkehrt.
      Hohe Bildung kann man dadurch beweisen, dass man die kompliziertesten Dinge auf einfache Art zu erläutern versteht.
    • Schakon schrieb:

      Für mich sind Ehrenämter in der Öffentlichkeit auch viel zu wenig hoch angesehen. Natürlich sollte man diese Tätigkeiten rein aus persönlichen Ansichten und Gründen vollziehen, sei es zum Wohle der Allgemeinheit, weil man einfach helfen möchte, weil es auch interessante Aufgaben sind, weil man etwas zurückgeben möchte was man bekommen hat, etc.

      Schade finde ich nur, dass viele Leute für unentgeltliche Sachen nichtmal darüber nachdenken, sich auch nur einen Finger zu krümmen. Für Vielbeschäftigte mag es manchmal schwierig sein, aber so viel Zeit hat man immer, dass man sie mal für die FFW etc opfern könnte.

      Von einer abnehmenden Mitgliederzahl kann man bei uns zum Glück noch nicht reden. Auch das Ansehen ist halbwegs in Ordnung, es sollte aber vielleicht auch ein paar kleine Vergünstigungen oder ähnliches als kleinen Anreiz geben. Bei uns gibt es etwas, womit man in manchen Schwimmbädern o.ä. teilweise freien Eintritt bekommt: Ehrenamtskarte
      Finde ich gar nicht mal so verkehrt.
      Die Idee mit diese Karte finde ich echt cool. Sollte sich auch in anderen Städten durchsetzen.
    • Also ich kann nur von mir und der Lage in Österreich sprechen.
      Ich bin selber bei der freiwilligen Feuerwehr in einem 3000 Einwohner Dorf. Dort wird es einen sehr hoch angerechnet. Die Leute grüßen immer freundlich und nach einem Einsatz wird sehr oft (eigentlich immer) ein Dank ausgesprochen.
      Andererseits habe ich meine Wehrpflicht in Österreich in Form des Präsenzdienst absolviert und das in Wien mit fast 2 Mio. Einwohnern. Wenn ich mit der U-Bahn in Uniform (Rettung) nach Hause gefahren bin, sind mir Leute oft ausgewichen, das schockierendste Erlebnis war, als eine Mutter zu Ihrem ca. 3 Jahre altem Kind gesagt hat, es soll weg von mir gehen, weil ich Krankheiten an meiner Uniform habe. Auch bei Einsätzen wurden wir oft schief angeschaut und mit Kommentaren, wie "Was parkt ihr Idioten wieder in 2. Spur" oder "was habts so lange gebraucht" mussten wir auch jeden Tag kämpfen.

      Ich für meinen Teil habe gelernt, dass in kleineren Gemeinden oft das Ehrenamt hoch angesehen ist (ich sehe das auch bei Freunden von mir) und in der Stadt wird man meistens nur schief angeschaut.


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