Jurastudium eine Härteprüfung?

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    • Jurastudium eine Härteprüfung?

      Hey Leute,

      ich mache derzeit mein Abitur und strebe anschließend ein Jura Studium an. Jedoch wird mir von allen Seiten erzählt, dass es ein sehr stressiges Studium sei, hohe Belastungen zur Folge hat und ein Großteil der Studenten das Studium abbrechen bzw. durchfallen. Nicht für umsonst ist es deshalb NC-Frei. Stimmt das denn alles?

      Ich würde mir gern von euch noch ein paar Meinungen dazu holen und dadurch zu Erkenntnissen kommen, was für ein Jura-Studium wirklich wichtig ist.
    • BG_7 schrieb:

      Hey Leute,

      ich mache derzeit mein Abitur und strebe anschließend ein Jura Studium an. Jedoch wird mir von allen Seiten erzählt, dass es ein sehr stressiges Studium sei, hohe Belastungen zur Folge hat und ein Großteil der Studenten das Studium abbrechen bzw. durchfallen. Nicht für umsonst ist es deshalb NC-Frei. Stimmt das denn alles?

      Ich würde mir gern von euch noch ein paar Meinungen dazu holen und dadurch zu Erkenntnissen kommen, was für ein Jura-Studium wirklich wichtig ist.

      Jura ist ein Studium in dem es sehr hart sein kann.
      "In keinen anderen Studiengängen wird mehr gestohlen wie in der Juristerei und der Theologie." Aussage eines Theologieprofs zum Buchbestand der Bestandsbiliothek bezüglich "verlegter" Bücher.
      In Jura wird durchaus mit allen Messern gekämpft.
      Das habe ich von Jurakommilitonen mitbekommen, das ist inzwischen auch schon 3 Jahre her.
      Ob das immer noch so ist, müssen "unsere Juristen" im Forum beantworten.
    • Hi Benno,

      ich habe letztes Jahr auch kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt Jura zu studieren, da ich einfach gar keine Vorstellung hatte, was zu mir passen könnte. Demnach hatte ich mich auch über den Studiengang informiert und mir den ein oder anderen Erfahrungsbericht eingeholt. Letztlich hatte ich mich dann dagegen entschieden. Insgesamt klang das für mich schon sehr hart und die meisten meinten, dass du dein Studentenleben durch den Lernaufwand nicht so richtig genießen kannst. Für einen, der frisch aus der Schule kommt, klingt so etwas natürlich sehr abschreckend :D
      Aber wenn du da richtig Lust drauf hast, kommst du eventuell besser damit klar :)

      Ich hab in meinen Favoriten noch eine hübsche Uni gehabt, an der man Jura studieren kann. Die fand ich damals echt sehr ansprechend. Ich pack dir den Link einfach mal rein. :)
      -> law-school.de/jurastudium/
    • Moin,

      ich studiere seit Oktober Jura in Hannover. Einen NC gibt es je nach Universität. Das hat mit der Qualität der Ausbildung oder dessen Anspruch nichts zutun. Der NC ist lediglich ein Auswahlkriterium (dessen Daseinsberechtigung absolut fragwürdig ist), für den Fall, dass es mehr Bewerber als Plätze gibt. Es gibt diverse gute Fakultäten, die keinen NC haben. Schau dir die angebotenen Schwerpunkte an und bewirb dich dann an den entsprechenden Universitäten.

      Der Anspruch in Jura ist sehr hoch. Es gehört mit Medizin und einigen anderen zu der Spitze was Arbeitsaufwand angeht. Problematisch ist insbesondere der hohe Zeitaufwand in Verbindung mit der späten Evaluation deiner Leistungen. Einige Universitäten bieten eine Zwischenprüfung an, bei der schonmal grob "ausgesiebt" wird. Mag fies klingen, aber lieber einige Semester verschwendet als am Ende im Staatsexamen mehrfach durchrasseln und leer ausgehen.

      Wie bereits gesagt: Es ist Arbeit. Ein haufen Arbeit. Während andere in den ersten Semestern Party machen, wirst du dich zum Lernen motivieren Müssen. Das fängt bei Definitionen an und endet in diversen Meinungsstreits. Dazu musst du nicht nur den materiellen Lehrbuchinhalt lernen, sondern auch noch einen Gutachtensstil beherrschen. Nicht umsonst sprechen bekannte Juristen davon, dass Jura im Endeffekt Sprache ist. Wenn dir Deutsch (Analyse, Interpretation, freies Texten) gefallen hat, könnte Jura das richtige sein. Etwas Mathe sollte auch dabei sein, aber nicht zu viel. Du musst abstrahieren können, aber mit einem Mathematikstudium hat das nicht wirklich viel zutun. Ein Dozent hat es mal ganz gut zusammengefasst: Jura ist differenziertes Denken
      Ich würde dir dazu raten, dir einfach mal ein Lehrbuch zu kaufen (Tipp: Strafrecht Grundkurs von Uwe Muhrmann oder BGB AT I von Brox/Walker) und mal zu schauen, ob du die Problemstellen interessant findest. Jura braucht Motivation und ist (wegen des Staatsexamens) ein Marathonlauf und kein Sprint. Deshalb sitzt du auch nicht den ganzen Tag in der Bib, nur um dann vor dem Staatsexamen ein Burnoutpatient zu werden. Jura braucht Motivation und Interesse, aber eben kein Bullemielernen, wie das in manch anderen Studiengängen der Fall ist. Medizin ist mit mehr Lernaufwand verbunden als Jura. Viele Probleme und Meinungsstreitigkeiten lassen sich mit Interesse an der Materie und Verständnis der Dogmatik selbst herleiten. Wirklich lernen muss man nur die Definitionen. Wer nur auswendig lernt, scheitert an Jura. Wer nie lernen musste und auch nicht lernen will, scheitert an Jura. Du musst lernen aber eben auch verstehen.
      Zusammengefasst: Viel Arbeit. Aber du musst dich weder von deiner Freundin trennen noch in der Bib einziehen.

      Jaden hat den Krieg der Studenten angesprochen. Das ist erstmal ein Klischee, welches aber natürlich einen wahren Kern hat. Im Jurastudium sind - wie vmtl auch in Medizin - einige sehr ehrgeizige Leute, die immer alles wissen und dabei auch über Leichen gehen. Bücher werden versteckt (-> Kleptomanie der Jurastudenten) und gestohlen. Aber genauso wie es Arschlöcher gibt, gibt es auch grundsolide und sympathische Leute, die schlafend und pizzafutternd im Hörsaal anzutreffen sind und trotzdem gute Leistungen erzielen. Der Trick besteht darin, sich von destruktiven Leuten fernzuhalten und sich an Leute zu halten, die einem nicht die Hausarbeit sabotieren. Was ich oben noch vergessen habe: Semesterferien wirst du nicht wirklich haben. Meistens werden Hausarbeiten geschrieben, die einige Wochen deiner Frezeit verschlingen werden. Damit muss man klarkommen. Wer also sein Studium als "Nebenjob" betreiben will, sollte sich das nochmal überlegen.


      Abschließend kann ich dir also nur eines empfehlen: Finde heraus, ob dich Jura packt. Wenn es dich nicht reizt, du bei Meinungsstreitigkeiten denkst Wen interessiert das?, dann lass es sein.
      Natürlich darf man Verwaltungsrecht trocken und langweilig finden, aber wenn man auch in den anderen Rechtsgebieten nicht wirklich ein Interesse hat oder entwickelt, dann wird das mit der Motivation einfach nichts und die ist einfach absolut notwendig. Schau dir meine Buchempfehlungen an oder mach einfach ein Semester. Nach den ersten Wochen wirst du wissen, ob es etwas für dich ist oder nicht.
      Wenn du Interesse an einigen Jurafällen (sowas wird in Klausuren bearbeitet) hast, schreib mir eine PN und ich schicke dir einige Beispielfälle inkl. Lösungsweg.


      Hier noch zwei Videos, die das Jurastudium top zusammenfassen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lars ()